Das Böse hat einen Namen
Published January 30th, 2008 in Im VorbeigehenCallcenter-Outbound. Dem nummernlosen Klingeln des Telefons haftet eine dunkle Vorahnung an, die noch verstärkt wird durch die kurze, unheilvolle Pause, die auf das argwöhnische “Ja bitte?” am hiesigen Ende der Leitung folgt. Sogleich bestätigt sich die Vermutung, man habe es im eigentlichen Sinne gar nicht mit einer Person zu tun, sondern mit dem exogenen Teil einer Mensch-Maschinerie, als eine aalglatte männliche Stimme zu sprechen beginnt: “Schönen guten Tag, mein Name ist Ebeling von der Firma Debiltel, spreche ich mit der Vertragspartnerin Lieschen Müller?”
Schon spürt man die Schlinge über dem Kopfe schweben. Jetzt ist es Zeit, aus dem Bündel der Abwehrstrategien abgestimmt auf die Tagesform die Richtige auszuwählen. Hier eine Auswahl der typischsten und einer, mit der man das Böse mit seinen eigenen Waffen schlagen kann:
Bei der Firma Debiltel und anderen Telekommunikationsunternehmen handelt es sich nur um die gemeinläufig bekanntesten Vertreter der überaus anpassungsfähigen Art Callcenter-Outbound.
Weniger bekannte Vertreter dieser Spezie lauern typischerweise im Untergrund der Legalität auf unbedarfte Opfer.
Headhunting-Firmen tarnen sich beispielsweise als Angestellte der bekannten Suchmaschine Schnoogle und entlocken mit vermeintlichen Gewinn-Gutscheinen Namen von Filialleitern, die sie später versuchen abzuwerben. Eine weitere Spielart verkauft telefonisch Lotto-Scheine, die niemals eingelöst werden. Bezeichnend ist der hohe Stundenlohn, der nötig ist, um das Gewissen der Agents zu kaufen. Ein erfolgreiche neue Spezie hat diesen evolutionären Nachteil bereits überwunden und verwendet Bänder, die Gewinne versprechen und auf teure 0190-Nummern verweisen. Ständig entstehen neue Mutationen im unüberschaubaren, mit Wölfen und Schafen und Wölfen in Schafspelzen bevölkerten Wirtschaftssystem. Also auf alles gefasst sein, wenn nächstes Mal nummerlos das Telefon klingelt…
Oh ja, das nervt wirklich. Ich habe mir letztens auch überlegt, ob man nicht - wie bei vielen Handies - einen Filter beim Festnetztelefon setzen kann, der bewirkt, dass das es nur schellt, wenn eine Rufnummer von der anderen Seite übermittelt wird. Das geht bestimmt, nur braucht man dafür bestimmt spezielle Telefone.
Naja, hätte ja auch den Nachteil, dass Personen, die dies mit Absicht deaktiviert haben auch nicht mehr durchkommen. Also kein wirklich gangbarer Weg :-/
Du hast Recht, ein Telefon-Spamfilter ist das, was der Welt noch fehlt.
Wenn das bei normalen Telefonen nicht geht, dann vielleicht morgen, wenn alle nur noch Internet-Telefonie benutzen?
Das ist toll! Also nicht das Generve der Callcenter-Agents, sondern die Story! Was auch helfen soll: “Woher haben sie meine Nummer?”. Leider gehör ich zu den Personen, die sich leicht einwickeln lassen und dann die Zeit erst mit zuhören verplempern und dann mit diskutieren, um klarzumachen, dass man trotz vorherigen Zuhörens Nichts kaufen wird.
…besser als eine der Personen zu sein, die nicht diskutieren, sondern nach kurzer Zeit abrupt auflegen - denn egal was man sagt, niemals wird ein routinierter Outbounder den Gesprächsfaden abreißen lassen und auch auf ein “Tschüss, ich lege jetzt auf” mit einer Gegenfrage antworten, um eine Antwort zu ernötigen. Und diese Nötigung des unschuldigen Anrufempfängers, die zwischenmenschlichen Regel der Höflichkeit zu brechen, macht diesen Anruf erst Recht zu einer nicht so schnell versiegenden Quelle des Ärgernisses, weshalb die letztere Strategie, an die sich deine ja anlehnt, vielleicht auch die Beste ist, um emotionalen Aufrieb zu vermeiden. Wenn man Zeit hat. Ansonsten einfach zwischendurch was anderes machen, hab ich mir sagen lassen
Nun, eins dürft ihr ja auch nicht vergessen, nicht alle Call-Center sind gleich.
Einige Unterschiede:
Senden der Nummer
Was will der Agent
Hört er sich automatisiert an oder ist das jemand, mit dem Mann sprechen kann.
Ich habe 2 Ausbildungen gemacht, bin 25 Jahre alt und war nie ein fauler Mensch. Arbeite jetzt in einem Call- Center. Verkaufe keine teuren Mobilfunkverträge.
Ich verkaufe günstige Stromtarif ohne Vertragslaufzeiten.
Wir senden unsere Nummer und fragen höflich nach, ob eine Beratung erwünscht ist.
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Aus meiner Sicht ist es sehr ungerecht, alle unter einen Tisch zu schieben. Ich bin froh das ich einen Job habe und war zu 99% immer ehrlich. Und wenn einer kein Interesse geäußert hat, dann habe ich ihn nicht weiter beläßtigt.
Die sinnvollste Art mit solchen Anrufen umzugehen ist folgende:
Abnehmen, fragen worum es geht.
Kein Interesse: Es tut mir leid ihnen mitteilen zu müssen, das ich da bereits auf dem neusten Stand bin und keinerlei Interesse an einer weitere Beratung wünsche.
Interessant aber unsicher: Nennen sie mir bitte alle Vertragsbedingungen damit ich sie mir notieren kann und melden sie sich bitte morgen, oder in 2-3 Tagen wieder.
Fertig. Vernünftig mit anderen Menschen umzugehen ist nicht schwer.
Außerdem, kann man den Agenten immer, wirklich immer darum bitten einen aus der Anwahlliste zu streichen. (Einstufung Werbeverweigerer)
Auch wir respektieren solche Wünsche. Denn auch wir werden angerufen wenn wir zu Hause sind.
Kurz und knapp, einfach nicht jeden Callcenter Agenten unter einen Hut stecken.