Es leben die Netzwerke!

Nein, nicht welche ihr jetzt denkt, ich meine die sozialen ;-)

Dass es Unterschiede zwischen den Kulturen gibt, weiss ja jeder. Schlaue Menschen haben sich mal überlegt, worin denn diese Unterschiede bestehen könnten: Zum Beispiel gibt es Unterschiede, wie sich sich Menschen die Zeit vorstellen. Für unsere (deutsche) Kultur verläuft die Zeit eher linear (monochron). Die Dinge werden nacheinander getan, was es einem erlaubt, alles ordentlich zu planen. Andere Kulturen (viele südländische, wie zum Beispiel Spanien) nehmen es mit der Zeit weniger genau; nach diesem Zeitverständnis können auch mal viele Dinge zur gleichen Zeit geschehen (polychron). Deshalb wird eine minutiöse Planung als sinnlos angesehen und die Dinge sind somit weniger organisiert.

Das kann einem ordentlichen und pünktlichen Deutschen schon mal chaotisch vorkommen. Warum nun bekommen auch polychrone Kulturen letztendlich ihre Sachen geregelt?

Ganz einfach… hier kommen die sozialen Netzwerke ins Spiel, die in diesen Kulturen einen viel grösseren Stellenwert einnehmen. Taucht ein unvorhergesehenes Problem auf, bittet man einfach einen Freund / Kollegen / Bekannten um Hilfe, der im Zweifelsfall wieder auf seine Freunde / Kollegen / Bekannten zurückgreifen kann. = funktionsfähiges soziales Netzwerk = alles wird gut.

Warum ich euch das jetzt hier auf die Nase binde? Nun, weil ich in letzter Zeit viele Dinge gleichzeitig erledigen musste, habe ich mal bewusst völlig auf deutsche gründliche Organisation verzichtet und mich stattdessen auf meine sozialen Netzwerke in Granada verlassen. Statt mir für meinen derzeitigen Granada-Aufenthalt eine Wohnung zu organisieren, bin ich einfach rübergeflogen und habe dann abends spontan telefonisch bei meinen Bekannten angefragt, ob sie ein Schlafplätzchen für mich haben. Das Ende vom Lied: hat super geklappt, schon nach kurzer Zeit hat mir ein lieber Mensch seine neue noch leerstehende Wohnug mit Schlüssel angeboten, und als dieser Schlüssel sich als nicht passend herausstellte, kam ich bei einem seiner Freunde unter.

Ergo: Die entstandene Unsicherheit, nicht zu wissen, wo ich schlafen kann, war schon irgendwie bedrohlich und hatte so ein bisschen das Gefühl vom “freien Fall”. Aber alles super, denn die Landung war schön und weich. Es leben die Netzwerke.


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