Auf einem seltsamen Instrument, das einem Dudelsack ähnelt, spielt ein dunkelhäutiger zierlicher Mann. Warum spielt er da und was?
Es ist später Abend in Amsterdam, schon dunkel draußen. Der Mann spielt eine klagende Melodie, sehnsüchtig hallt der Klang seines Instrumentes in den Ohren der Umstehenden, scheint von einer besseren Zeit zu erzählen, in einer fernen Welt. Etwas ungewohnt nehmen sich diese sehnlich-klagenden Töne den mitteleuropäischen Ohren des Publikums an, ungewohnt ob der eigenartigen Laute, die der Fremde dem absonderlichen Instrument entlockt, ungewohnt auch ob der wunderlichen Melodie, die sich in jeder Minute selbst neu zu erfinden scheint -
- und jetzt schneller, immer schneller dahinbraust, über den Köpfen der Anwesenden hinweg in den Ohren nachhallt, kaum scheint der Spieler des irrwitzigen Instruments mit dem Atmen hinterherzukommen, ja, schon versagt ihm der Atem – er muss Luft holen.
Aber nur kurz, denn weiter geht das wilde Spiel, sich selbst überschlagend und überanstrengend, immer schriller und schriller, die Melodie disharmonischer, unterbrochen von hilflosen Atempausen krächzt das Instrument minutenlang. Die Zuhörer halten es kaum noch aus, den Ersten Schmerzen schon die Ohren, andere Lachen, die Schlafenden auf der Bank sind erwacht, schon lange stehen allen die Nackenhaare zu Berge. Ist das noch Teil der Vorstellung oder die verschrobene Öffentlichmachung der bloßen Übung eines Anfängers? Zweifel zeichnet sich in den Gesichtern ab, ob der Mensch überhaupt befähigt ist dieses Instrument zu spielen, während es weiterkreischt und weiterkreischt, die Dissonanzen und Geschwindigkeit ins schier Unendliche steigernd -
- da fasst sich sich eine vorbeikommende Frau ein Herz. Zieht ein Geldstück. Wirft es in die Mütze. Während auf dem Gesicht des Spielers ein Lächeln erstrahlt, gewinnt wieder eine Harmonie die Oberhand, der Spieler der Heldin mit dem Geldstück zugeneigt ein Ständchen darbietend.
Alle Umstehenden atmen erleichtert auf. Auch, weil jetzt endlich der Bus kommt.
Diesen Rotfuchs konnte ich von unserer Wildbeobachtungswarte (Badezimmerfenster) fotografieren.
Rotfüchse gehören übrigens zur Familie der Hunde. In ihrem Jagdverhalten gleichen sie aber Katzen: Sie schleichen sich an und überwältigen ihre Beute, meist kleine Nagetiere, mit einem Sprung. Na dann kann unsere Mollie ja weiter gemütlich auf der Couch ihr Schläfchen halten…
Um einen echten deutschen Kaffee zu kochen, vergessen Sie zunächst einmal Ihre hochgeschätzte nationale italienische Kaffeekultur. Sie befinden sich nun im Land des Bieres.
Im Unterschied zu Italien wird bei deutschem Kaffee weniger Wert auf Qualität und Aroma gelegt. Seine Rolle ist vielmehr funktioneller Art: Er dient der Verwandlung von schlappen und schwermütigen deutschen Schlafmützen in effiziente und produktive Bürger.
Bevor wir nun zur eigentlichen Handlungsanleitung kommen, muss ich Sie noch vorwarnen, auch gleich Ihre gewohnten Arbeitswerkzeuge zum Kaffeekochen – Mocca und Gasherd – auf das gedankliche Abstellgleis zu schieben. Einen echten deutschen Kaffee kocht man nur mit einer echten deutschen Kaffeemaschine.
Um diese zu benutzen, vergewissern Sie bitte sich zunächst, dass das Kabel in der Steckdose steckt. Entnehmen Sie die Glaskanne, füllen Sie diese nach Ihren Bedürfnissen mit Wasser, indem Sie sich um die richtige Menge einzufüllen an den Strichen orientieren. Versuchen Sie oberhalb der Kaffeemaschine schräg gegenüber vom Platz der Glaskanne eine Klappe zu finden. Hier ist das zuvor abgemessene Wasser einzufüllen. Schauen Sie lieber nicht so genau in das Innere des Behälters, denn deutsche Kaffeemaschinen sind schwer zu reinigen. Stellen Sie schließlich die Glaskanne wieder an ihren Platz in der Kaffeemaschine.
Haben Sie diese Prozedur abgeschlossen, sind wir soweit, mit dem Einfüllen des Kaffeepulvers beginnen zu können. Öffnen Sie dazu die Klappe über der Kanne. Ganz wichtig: Zuerst einen Kaffeefilter einlegen. Den finden Sie normalerweise in der Nähe des Kaffees im Schrank. Er sieht aus wie ein abgeschnittenes braunes Dreieck aus doppeltem braunen Papier. Legen Sie den Filter mit der Öffnung nach oben in das Behältnis. Geben Sie schließlich pro Tasse nicht mehr als einen gehäuften Teelöffel in den Filter – auch wenn das Ergebnis Ihren südländischen Geschmacksknospen vielleicht fad erscheinen mag, hat deutscher Kaffee den Vorteil, dass man ihn mit Ausdauer magenschonend während ausdauernder Arbeit trinken kann. Das ist für pünktliche Einhaltung von Terminen unerlässlich.
Stellen Sie nun die Kaffeemaschine auf „Ein“. Warten Sie, bis das Wasser vollständig durchgelaufen ist. Der fertige Kaffee wird warmgehalten, bis Sie die Kaffeemaschine ausschalten. Das hat einen enormen Vorteil: Falls Sie mal in ein produktives Loch fallen, brauchen Sie keine Zeit und Energie für erneutes Kaffeekochen zu verschwenden.
Ich hoffe, diese kurze Schilderung hat dazu beigetragen, mögliche Vorurteile gegenüber deutschem Kaffee abzubauen. Probieren Sie´s doch mal aus. Schon bald werden Sie die Vorteile deutschen Kaffees – kontinuierliche Leistungs- und Effizienzsteigerung – zu schätzen lernen.
…ist auf der ganzen Welt kein einziger Mensch 29 Jahre alt geworden.
führte der erste Ausflug in diesem Jahr mit Bruno in Die Stadt Die Es Nicht Gibt. Wen`s interessiert, kann sich bei Bio und Kurti, die auch mit von der Partie waren, informieren.
Callcenter-Outbound. Dem nummernlosen Klingeln des Telefons haftet eine dunkle Vorahnung an, die noch verstärkt wird durch die kurze, unheilvolle Pause, die auf das argwöhnische “Ja bitte?” am hiesigen Ende der Leitung folgt. Sogleich bestätigt sich die Vermutung, man habe es im eigentlichen Sinne gar nicht mit einer Person zu tun, sondern mit dem exogenen Teil einer Mensch-Maschinerie, als eine aalglatte männliche Stimme zu sprechen beginnt: “Schönen guten Tag, mein Name ist Ebeling von der Firma Debiltel, spreche ich mit der Vertragspartnerin Lieschen Müller?”
Schon spürt man die Schlinge über dem Kopfe schweben. Jetzt ist es Zeit, aus dem Bündel der Abwehrstrategien abgestimmt auf die Tagesform die Richtige auszuwählen. Hier eine Auswahl der typischsten und einer, mit der man das Böse mit seinen eigenen Waffen schlagen kann:
Bei der Firma Debiltel und anderen Telekommunikationsunternehmen handelt es sich nur um die gemeinläufig bekanntesten Vertreter der überaus anpassungsfähigen Art Callcenter-Outbound.
Weniger bekannte Vertreter dieser Spezie lauern typischerweise im Untergrund der Legalität auf unbedarfte Opfer.
Headhunting-Firmen tarnen sich beispielsweise als Angestellte der bekannten Suchmaschine Schnoogle und entlocken mit vermeintlichen Gewinn-Gutscheinen Namen von Filialleitern, die sie später versuchen abzuwerben. Eine weitere Spielart verkauft telefonisch Lotto-Scheine, die niemals eingelöst werden. Bezeichnend ist der hohe Stundenlohn, der nötig ist, um das Gewissen der Agents zu kaufen. Ein erfolgreiche neue Spezie hat diesen evolutionären Nachteil bereits überwunden und verwendet Bänder, die Gewinne versprechen und auf teure 0190-Nummern verweisen. Ständig entstehen neue Mutationen im unüberschaubaren, mit Wölfen und Schafen und Wölfen in Schafspelzen bevölkerten Wirtschaftssystem. Also auf alles gefasst sein, wenn nächstes Mal nummerlos das Telefon klingelt…
Überschwemmung im Sonnenstaat
0 Comments Published January 26th, 2008 in Im Vorbeigehen, Politisches Parkett
So titelte Spiegel online. Kalifornien / USA - “Monatelange ungewöhnlich heftige Regenfälle” setzen diesmal das Land unter Wasser, bei dem weite Teile der Weltgemeinschaft angesichts der aktuellen Überschwemmungen mit dem Gedanken an das nicht unterzeichnete Kyoto-Protokoll tendenziell weniger Mitleid, sondern vielmehr Schadenfreude empfinden dürften, und dazu geneigt sein möchten, Vergleiche zur biblischen Urflut heranzuziehen.
(…) damals, als alles Fleisch, die Tiere nicht ausgenommen, seinen Weg in unbeschreiblicher Weise verderbt hatte, ja selbst die Erde Hurerei trieb und Schwindelhafer hervorbrachte, wenn man Weizen säte, - und dies alles trotz der Warnungen Noahs, so dass der Herr und Schöpfer, der sogar seine Engel in diese Greuel verwickelt sehen musste, es schließlich, nach einer letzten Geduldsfrist von hundertzwanzig Jahren, nicht länger verantworten und ertragen konnte und zu seinem Schmerz das Schwemmgericht hatte walten lassen müssen. (Thomas Mann: Joseph und seine Brüder)
Weihnachten in Italien - In Italien bringt weder Santa Claus noch das Christkind die Geschenke, sondern Santa Lucia. Die Kinder schreiben Briefe Santa Lucia Briefe mit ihren Wuenschen. Hier in Palosco, einem kleinen norditalienischen Doerfchen, holt Santa Lucia naechsten Sonntag die Briefe ab. Sie kommt dazu in Begleitung ihres Eselchens, die Kinder werfen die Briefe in den Karren und Santa Lucia verteilt Suessigkeiten. In der Nacht vom 12. zum 13. Dezember macht sie ihre Runde durch das Dorf, um die Geschenke zu verteilen. Wenn sie an die Tuer schellt, muessen die Kleinen ins Bett gehen. Aber Vorsicht Kinder, spioniert ihr bloss nicht nach! Sie wirft euch eine Handvoll Asche in die Augen, und dann erlischt euer Augenlicht, genau wie ihres.
Ihre Sehorgane traegt sie meist auf einem Tablett mit sich herum. Boese Menschen haben ihr die Augen ausgestochen, als sie versuchte, Gutes zu tun.
Mir jagt die Gestalt von Santa Lucia einen wohligen Schauer ueber den Ruecken, der gekoppelt ist mit einem unterdrueckten Lachreiz bei dem Gedanken, wie Santa Lucia kleinen Kindern nachstellt, um ihnen Asche in die Augen zu werfen und ihnen ihre ausgestochenen Augaepfel vor die Nase zu halten. Es ist doch schon bemerkenswert, dass sich Santa Lucia in den (post-)christlichen Heerscharen von Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind auf Rang 1 der Geschenkebringer durchringen konne. Um sich in der harten maennlichen Konkurrenz durchzusetzen, reicht es bei einer heiligen Frau anscheinend nicht aus, einfach nur nett zu sein. Da muss sie schon andere Geschuetze auffahren. Es ist ja auch nur recht und billig, dass die Kinder schon frueh von der rauen Realitaet etwas mitkriegen, anstatt von zahmen Figuren wie Weihnachtsmann und Christkind verweichlicht zu werden.
In der alten Reithalle vom AZ Mülheim gab es letzte Woche ein Pferdespektakel der besonderen Art zu belachen und beklatschen - Mendy, das Wusical von Helge Schneider.
Es geht um Liebe und Familienleben, um menschliche Sehnsüchte und Abgründe, um Moral und Gewalt. Aus diesem Stoff hat Helge Schneider eine skurrile Verflechtung von Seifenoper, Komödie, Tragödie und Porno bei jazziger Live-Musik Untermalung mit Splatter-Elementen geschaffen. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Die große Liebe der pubertären Wendy ist Mokka, ihr Araberhengst. Zu ihrem Leidwesen stellt sich die strenge und vom Leben frustrierte Mutter “Lady Mamma” mit ihren Erziehungsversuchen zwischen das Glück der beiden. Mokka wiederum leidet an einer Identitätskrise, da er von seinesgleichen auf der Pferdeweide nicht anerkannt, sondern massiv gemobbt wird. Wendys Vater sitzt nach einem Reitunfall im Rollstuhl, sein einziger Lebensinhalt ist sein weißer Porsche, Baujahr `85. Damit er sich einen Satz neuer Reifen leisten kann, verkauft er Mokka an den Schlachter. In letzter Minute kauft Wendy das Leben des geliebten Mokka mit ihrem eigenen Leben frei. Während Wendy mit den anderen Tieren im Schlachthaus auf den Schlachttermin wartet, plagen den Vater Gewissensbisse. Das Spektakel nähert sich dem Showdown.
Das Wusical überzeugt nicht nur durch Helge Schneiders Limbo-Humor in der Szenerie eines Reiterhof- und Familiendramas sowie kuriose bis abstossend böse Charaktere. Es ist auch eine bissige Gesellschaftskritik. Eine herzlose Lady Mamma zum Beispiel, die ihre Tochter Wendy unerbittlich dazu zwingt ihr Zimmer aufzuräumen (”Du machst es jetzt! Du machst es jetzt! DU MACHST ES JETZT!!!”), obwohl Wendy es dann heute nicht mehr in den Reitstall schafft, hat auch keine Gewissensbisse, sie an den Schlachter zu verkaufen.
Vor ein paar Jahren hat die die Urinszenierung dem Bochumer Schauspielhaus ausverkaufte Säle und ein begeistertes Publikum bereitet. Aber die Aufführung im AZ stand dem Original in keinster Weise nach, sondern hat noch besser gefallen durch den Charme und die Originaltät der (Laien?-)Schauspieler als auch der begleitenden mit Reitkappen ausstaffierten 2-Mann Begleitband, und schließlich die zahlreichen HelferInnen in Blaumännern, die in hektisch und chaotisch anmutender Betriebsamkeit die Dynamik des Stücks durch atemberaubende Umbaupausen noch unterstrichen haben.
Neuerdings können sich alle, die das Spektakel verpasst haben, durch den mit Wusical-Melodien unterlegten Photoroman im Comic-Style einen Eindruck verschaffen, und alle, die`s gesehen haben, in Erinnerungen schwelgen.
Wer den Photoroman erleben oder mehr wissen will, wird auf der Homepage fündig: http://www.wusical.de
Nein, nicht welche ihr jetzt denkt, ich meine die sozialen
Dass es Unterschiede zwischen den Kulturen gibt, weiss ja jeder. Schlaue Menschen haben sich mal überlegt, worin denn diese Unterschiede bestehen könnten: Zum Beispiel gibt es Unterschiede, wie sich sich Menschen die Zeit vorstellen. Für unsere (deutsche) Kultur verläuft die Zeit eher linear (monochron). Die Dinge werden nacheinander getan, was es einem erlaubt, alles ordentlich zu planen. Andere Kulturen (viele südländische, wie zum Beispiel Spanien) nehmen es mit der Zeit weniger genau; nach diesem Zeitverständnis können auch mal viele Dinge zur gleichen Zeit geschehen (polychron). Deshalb wird eine minutiöse Planung als sinnlos angesehen und die Dinge sind somit weniger organisiert.
Das kann einem ordentlichen und pünktlichen Deutschen schon mal chaotisch vorkommen. Warum nun bekommen auch polychrone Kulturen letztendlich ihre Sachen geregelt?
Ganz einfach… hier kommen die sozialen Netzwerke ins Spiel, die in diesen Kulturen einen viel grösseren Stellenwert einnehmen. Taucht ein unvorhergesehenes Problem auf, bittet man einfach einen Freund / Kollegen / Bekannten um Hilfe, der im Zweifelsfall wieder auf seine Freunde / Kollegen / Bekannten zurückgreifen kann. = funktionsfähiges soziales Netzwerk = alles wird gut.
Warum ich euch das jetzt hier auf die Nase binde? Nun, weil ich in letzter Zeit viele Dinge gleichzeitig erledigen musste, habe ich mal bewusst völlig auf deutsche gründliche Organisation verzichtet und mich stattdessen auf meine sozialen Netzwerke in Granada verlassen. Statt mir für meinen derzeitigen Granada-Aufenthalt eine Wohnung zu organisieren, bin ich einfach rübergeflogen und habe dann abends spontan telefonisch bei meinen Bekannten angefragt, ob sie ein Schlafplätzchen für mich haben. Das Ende vom Lied: hat super geklappt, schon nach kurzer Zeit hat mir ein lieber Mensch seine neue noch leerstehende Wohnug mit Schlüssel angeboten, und als dieser Schlüssel sich als nicht passend herausstellte, kam ich bei einem seiner Freunde unter.
Ergo: Die entstandene Unsicherheit, nicht zu wissen, wo ich schlafen kann, war schon irgendwie bedrohlich und hatte so ein bisschen das Gefühl vom “freien Fall”. Aber alles super, denn die Landung war schön und weich. Es leben die Netzwerke.
Vaffanculo Day im beschaulichen Städtchen Bergamo
0 Comments Published September 12th, 2007 in Politisches ParkettItalien/Lombardia. In ausgelassener Stimmung warteten viele Menschen geduldig in der Schlange, um die Petition “Saeubert das Parlament” zu unterschreiben, der zufolge sich (zumindest) alle verurteilten(!) Kriminellen aus dem italienischen Parlament verabschieden sollen.
Auch die Initiative fuer freies Internet in Bergamo fand grossen Anklang. Die “Amici di Beppe Grillo di Bergamo e Provincia” (Freunde von Beppe Grillo in Bergamo und Provinz) wollen, dass Information fuer alle frei verfuegbar ist wie Trinkwasser. Klingt nach einer Utopie? -Ist es aber nicht. Die Infrastruktur fuer ein solches Projekt ist in Bergamo zu grossen Teilen schon vorhanden. Es fehlen nur noch geringe Investitionen und ein bisschen guter Wille seitens der Politik. Eine Idee, die Schule machen sollte.
Vaffanculo Day - dt.:”Haut ab ihr Arschloecher”
1 Comment Published September 6th, 2007 in Politisches Parkett, Zwischen KulturenItalien. Diesen Samstag, den 8. September, ist Vaffanculo Day, ein von dem bekannten (Polit-)Komiker Beppe Grillo initiierter Aktionstag in allen grossen Staedten, um mit politischen Landschaft Italiens aufzuraeumen. Ziel ist ein Gesetz, das es Verurteilten verbietet, (erneut) zu kandidieren. Denn ein guter Teil unter den Parlamentariern Italiens ist verurteilt oder hat ein Verfahren am Hals, meist wegen Delikten wie Korruption und illegaler Finanzierung, aber auch Beihilfe zum Mord und Verbindungen zur Mafia.
Dass die Gesetze ausgerechnet von denjenigen, die sie machen, missachtet werden, macht viele Menschen in Italien sehr wuetend. Tatsaechlich ist es aber hauptsaechlich die “Generation Internet”, die davon ueberhaupt etwas mitkriegt. Denn Fernsehen und Radio stehen unter Kontrolle des Medienimperiums von Silvio Berlusconi, Zeitungen liest in Vergleich mit Deutschland hier kaum jemand.
Ausfuerlichere Informationen ueber den Vaffanculo Day:
www.nachrichten.ch/kolumne/282070.htm
Essay ueber den Missbrauch von Macht und Medien durch Berlusconi
Blog von Beppe Grillo: www.beppegrillo.it/
Heute schon Pizza gefrühstückt
2 Comments Published August 31st, 2007 in On the road, Zwischen Kulturen…und x-mal beim Autofahren mit der Hupe beschimpft worden. Benvenuti Italia.
Adios Spanien. Bienvenue Frankreich…
Da es auf unserem Weg lag konnte wir es nicht unterlassen auf der Burgmauer der mittelalterlichen Burg Carcassonnes ein Spielchen des gleichen Namens zu wagen.
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Galicia- Zwei jugendliche Camper blieben am Wochenende in einem der einsamsten Gebiete in Estaca de Bares auf der Suche nach einem Parkplatz im Sand stecken. Der Versuch, sich durch aufschütten von gesammelten Steinchen, dem Legen eines Teppiches sowie Entladen des Campers aus dieser misslichen Lage zu befreien halfen nicht. Zum Glück wurden sie am nächsten Morgen von einem Jeepfahrer gerettet.
…that is what we did yesterday. x be-a-trice
In der öffentlichen Bibliothek von Granada werden regelmäßig Filme in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt, das ganze in einem waschechten Kinosaal und gratis.
Das Programm findet ihr unter http://www.filmotecadeandalucia.com/
Adresse: Calle Profesor Sainz Cantero, nº 6, 18002 GRANADA (in der Nähe von Placa Gracia)
In der Diskothek Granada 10 kann man sich abends in prunkvollen aber netten Ambiente einen Film anschauen, während man sich auf goldenen Sofas lümmelt.
Adresse: Calle Cárcel Baja
(zwischen Calle Elvira und Gran Vía)
Eintritt normalerweise 4 €, mittwochs 3 €
Gesehen in Granada, mit den Augen einer in Deutschland sozialisierten Person.
Be a stubborn optimist.
Vorhin rief mich meine Oma an. Aus Spanien, denn sie macht hier Urlaub. So erwartete ich ob der spanischen Nummer, die mein Handy mir anzeigte, eine spanisch-sprechende Person am anderen Ende. Dass es Oma war, brachte mich also ein bisschen aus der Fassung. So antwortete ich verdutzt: “Oma, eres tú? He pensado que me esta llamando otra persona…”
Ergo: Fremdsprachen zu sprechen ist toll. Darüberhinaus ist es aber nützlich, zur richtigen Zeit die richtige Sprache zu sprechen.
Und: Immerimmernoch plane ich, mein Fremdsprachenkontingent auf Italienisch zu erweitern - ich weiß jetzt schon das wird lustig.
..in Deutschland ist das Gulasch von gestern Nacht gelungen - lecker lecker lecker
Giulia hat die italienische Polenta dazu beigesteuert. Die Gemeinschaft war begeistert.


…die überzeugt. ![]()
…ist das Wasser, das inmitten weitläufiger Olivenbaumfelder erst drei Becken füllt und dann ein Flüsslein hinunterströmt, einen dunstigen Schleier über die Landschaft legend, der sich langsam verliert. Verloren ist auch die Zeit, die Fremdheit, die Gedanken, und schließlich das Selbst, wenn man in den dampfenden Wassern kocht. Schöne Wiedergeburt wenn man sich dann findet im Mond, in den Sternen und in der Weite der Natur.
Macht euch ein Bild:




Dieses Ereignis verdient das Prädikat “Besonders erwähnenswert“, und daher schloddere ich euch hiermit noch ein paar Worte dazu hin, wenig zeitnah, aber dafür im Telegrammstil.
Mein Geburtstag = Karnevalssamstag stop Nach Wohnzimmer-Rave bei Agüi morgens um 8 den Bus nach Cadiz bestiegen stop Gruppe = Francesco, Dani, Giulia, Ari, Fabio (Italien); Shannon (Kalifornien); Rouven (Spanien); ich stop Mittags in Cadiz angekommen und erstmal ein Bad im Atlantik genommen stop Verkleiden und Eroberung der Innenstadt stop Die Botellón konnte beginnen stop Die ganze Nacht gesoffen, gesungen und getanzt zu Trommelklängen stop Zwischendurch zu einer der bestialisch stinkenden Abort-Nebenstraßen durchgekämpft stop Eine ganze Flasche Bacardi und später noch eine Flasche Rum auf der Straße gefunden stop Irgendwann an einem besonders gemütlichen Platz eine halbe Stunde geschlafen stop Nach Sonnenaufgang am Strand in eben dieselbe gelegt um zu schlafen stop Nach 20 Minuten aufgesprungen und vor dem eiskalten Wind mit Ari in ein Frühstückslokal geflüchtet stop Zwei Stunden gefrühstückt stop An der Strandpromenade Sonnenbrille gekauft und die anderen wiedergetroffen stop Die verkleideten Chöre des bürgerlichen Karneval bewundert stop Am späten Sonntagnachmittag den Bus Richtung Granada bestiegen stop Mehr als übergroße Erleichterung dass es nicht geregnet hat stop + ende
Gerade bin ich auf den Webauftritt von Johnny Cash gestoßen. Großartig, berührend, abendfüllend. Schaut und hört ihn euch an und dreht an den Knöpfchen.
Fiesta [Feier; Feiertag; Fest; Festlichkeit; Festtag; Fete (pop.); Liebkosung; Party; Schmeichelei]
4 Comments Published February 10th, 2007 in Granada, LebensArt
I the original sound of detroit techno / Industrial Copera (Granada) I
Ausflug ins Delta von Sport, Mord und Coolness
0 Comments Published February 9th, 2007 in Granada, On the roadWas außer Reiten könnte mich dazu bewegen, freiwillig um 6:30h aufzustehen?
Snowboarding. Nein, mir reichen nicht die Skier (denn das wäre ja zu einfach). Ich wollte cool sein. Und das hat mir Kopfschmerzen bereitet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und was für welche.
Die kommen nämlich garantiert, wenn man nur oft genug derart das Gleichgewicht verliert, dass man sich mit Schwung wie ein Käfer auf dem Rücken wiederfindet (und wie ein ebensolcher größte Probleme hat, sich wieder aufzurichten, weil es ist ja ein 1,5 m langes Brett an den Füßen festgeschnallt).
Ja, ich habe gelitten. Und auch noch viel Geld dafür bezahlt (35€ Skipass + 12€ Leihgebühren). Aber was tut man nicht alles, um zu den Leuten zu gehören, die`s können. Denn ich finde: Snowboardfahren ist echt sexy
(Aber nur wenn mans kann.) 
Falls ihr euch jetzt noch fragt, wo man in Südspanien Wintersport betreiben kann: in der Sierra Nevada. Das ist das Gebirge, welches so schön weiß in der Ferne das Rot der Alhambra und das Grün der Palmen von Granada kontrastiert. 
Gerade bin ich zurück und sitze gemütlich an meinem Schreibtisch in Granada, wohlgeborgen im Schoße meiner (zweiten) LieblingsWG. Es gibt eine Menge zu berichten von den letzen fünf Wochen Abenteuer on the road und in Deutschland…
I Hin
Madrid, französiche Atlantikküste, Paris, Belgien, Deutschland.
Stellt euch eine mehrtägige Reise mit vier Personen in einem Bus nicht einach vor. Sie ist keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie ist wie ein Glücksspiel - entweder du ziehst das große Los und reist mit prima Leuten. Dann wird die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis der ersten Art (einem erfreulichen). Oder du setzt aufs falsche Pferd, und die Fahrt wird zu einem unvergesslichen Erlebnis der anderen Art (eines, das man nicht wiederholen möchte). Aber oft ist es wohl beides.
Wir starteten am 18. Dezember 2006. Wir, das waren Mira, meine Lieblings-Italienerinnen Josi und Ari, und ich. Aufgabe: Die beiden nach Madrid zum Flugplatz bringen. Danach einen Parkplatz für den Bus in Madrid finden. Und Carmens Wohnung.
Der Flug ging um sieben Uhr morgens. Kein Problem, denn wir hatten genug Zeit eingeplant. Eigentlich wollten wir um drei Uhr mittags fahren und dann noch in Madrid in der Wohnung von Carmen übernachten, einer Freundin von Al, beide
zukünftige Mitreisende. Als Ari, Josi, Mira und ich aber um acht Uhr abends endlich mit unserem Gepäck im Auto saßen - (Und stellt euch das Einladen in granadinischen Straßen bloß nicht so unkompliziert vor wie in Deutschland. Wenn mein Bus vor dem Haus parkt, kommt höchstens noch ein Roller vorbei. Dreimal musste ich ob hupender Autos um den Block fahren, bis alle Plörren verstaut und jeder verabschiedet war.) - als wir also um acht Uhr im Auto saßen, reichte die Zeit perfekt, um direkt zum Flugplatz zu fahren und hier unter beindruckender neo-anthroposophischer Architektur ein paar Stunden auszuspannen und in aller Ruhe die Mädels zu verabschieden.
Nach einer Nacht in der Geborgenheit des Flughafens ging ich dann auf Parkplatzsuche. In einem Madrider Vorstadtgebiet endlich fündig geworden, aber doch sehr besorgt um Sicherheit von Bruno, meines Busses, fand ich zwei Mal einen noch besseren Parkplatz. Bei der dritten Umparkung befand sich mein Schlüssel drinnen und Mira und ich draußen. Nach anfänglicher Panik habe ich das Problem gelöst, indem ich ****** ***** ****** Bus **** ****** gefunden habe, *** *** ich ***** *** ************* aufknacken konnte. (Also ihr dachtet doch nicht im Ernst dass ich euch erzähle wie?!).
Zu Carmens Wohnung hat mich dann der zu Hilfe gerufene Al begleitet. So traf also an diesem Tag die Reisegruppe in ihrer endgültigen Zusammensetzung aufeinander, die drei Spanier Al, Albert und Carmen, und Mira und ich.
Tja, was will ich im Nachhinein groß über meine Mitfahrer meckern? Es hat halt einfach nicht gepasst, besonders mit dem einen. Die Unterschiede fingen schon bei grundsätzlichen Sachen an wie dem Reisetempo. Während es mein erklärtes Ziel war, meine Heimatstadt noch am Abend vor dem Heiligen Abend zu erreichen, hielt die Gegenseite dafür: “Estamos en vacaciones, no tenemos prisa!” (”Wir sind in den Ferien und haben keine Eile!”). Damit stand die diffuse Anklage gegen mich im Raum, warum wir nicht häufiger aussteigen, uns nicht mehr angucken, oder was auch immer. Zudem neigten zwei der drei Spanier dazu, sich selbst herzergreifend zu bemitleiden, wenn es kalt ist. Zugegeben, während wir im Auto übernachteten, wurde es wirklich sehr kalt. Kann man halt nicht ändern, sondern nur mehr anziehen. Oder nicht mitten im Winter nach Deutschland reisen, sondern lieber nach Afrika. Fürchterlich gelitten haben die Spanier auch unter der bösen elektronischen Musik, die (ab und zu!) im Radio lief. Kommt immer gut wenn man auf einer dreitägigen Fahrt völlig intolerant gegenüber dem Musikgeschmack des Fahrers ist, und aus schon Prinzip (um dem andern, also mir, eins auszuwischen, mutmaßte ich) bei den ersten synthetischen Tönen zu meckern anfängt. Aber ihr wisst ja, wie man in den Wald hinein ruft… So habe ich schließlich die Position bezogen, mich intolerant gegenüber dieser Intoleranz zu zeigen, und so wurde es zwischenmenschlich eine ganz und gar intolerante Fahrt. Uff. Aber genug davon. Immerhin mit Albert hab ich mich gut verstanden.
Drei Höhepunkte gab es auf der Fahrt: die französische Atlantikküste, Paris bei Nacht, und die belgische Autobahn in der Abenddämmerung.
Französische Atlantikküste
Bei dem kleinen Örtchen Ondres fuhren wir müde von der Autobahn ab, um uns einen Schlafplatz unweit des Atlantik zu suchen. Der Strand allein, den wir hier am nächsten Morgen fanden, hat mich für alle Mühen dieser Fahrt entschädigt. Stürmisch, karg und menschenleer, mit aufpeitschender Gischt, die als dichter Nebel über den rollenden Wassern hangen blieb, und dabei gleichzeitig weit, weiß und lieblich war der Strand des winterlichen Atlantiks, dessen Bild ich in diesem Moment in mein Herz schloß (die Batterien meiner Digicam waren leer) und mir schwor, wiederzukommen.
Paris bei Nacht
Ich bin ein großer Fan davon, Weltmetropolen nachts zu durchfahren. Eine Fahrt bei Tag durch Paris mag schön sein und treibt den Adrelaninpegel nach oben. Eine Fahrt bei Nacht ist für Genießer. Nachts um zwei kann man sich schon mal erlauben, einfach am Fuße des Eiffelturms stehenzubleiben. Danach sind wir noch zum Montmatre gefahren. Ihr erinnert euch, das Hügelchen mit den vielen Treppen und der schönen Aussicht. War den Spaniern zu anstrengend da hoch zu gehen (das passte nun auch wieder nicht in mein Weltbild), also hab ich meine Dose Bier da oben ganz alleine mit Mira getrunken. Danach hab ich mich zu den Spaniern in den kleinen Club unterhalb der Treppen gesellt, ein bisschen getanzt, und noch vor den ersten Anzeichen der Morgendämmerung waren wir schon wieder auf der Autobahn nach außerhalb Paris.
Belgische Autobahn in der Abenddämmerung
Einfach nur schön schön schön. Wenn die Lichter gerade angehen, glühen sie zunächst rot und werden später immer goldender. Ein großartiges Schauspiel der Moderne.
II Zuhause zu Besuch
Mülheim an der Ruhr
Einen Tag vor Heiligabend kam ich an. Drei Wochen bin ich geblieben. Eigentlich hatten es nur zwei sein sollen. Meine Heimatstadt hat eine gehörige Magnetwirkung auf mich ausgeübt. Endlich hat das Wetter mich überzeugt. Bei stürmischen und verregneten unter zehn Grad war es endlich Zeit zu gehen.
Umso schöner die Begegnungen mit alten und neuen Freunden und natürlich der Familie. Es war das beste Weihnachten, seit ich ein Kind war, die beste Afterheiligabend-Party im Ringlockschuppen, seit ich da hin gehe, das genialste Sylvester überhaupt jemals und dann natürlich noch all die vielen kleinen schönen Momente. Danke dass es euch gibt!!
Und so wenig Zeit, die blieb (gut zu erfahren, wie kostbar Zeit ist). Manche sind deswegen zu kurz gekommen, bei einigen habe ich es überhaupt nicht geschafft mich zu melden. I am sorry for that.
III Zurück
Deutschland, Luxemburg, Französische Wallachei, Dijon, Barcelona, Benicasim, Alcoy, Las Negras, Granada.
Sagte ich anfangs, eine Fahrt wie diese sei nicht auf die leichte Schulter zu nehmen? Nun, als ich bei der Rückfahrt die, Spanier in gegenseitigen Einvernehmen wieder ausgeplant hatte und sie damit los war, dachte ich, es könnte nur besser werden. Irgendwie kam es dann besser, aber gleichzeitig auch schlimmer.
Die neue Fahrgemeinschaft setzte sich zusammen aus einem meiner lieben Mülheimer Mitbewohner (der aber nur bis Barcelona mitfuhr), und zweien, die ich über die Mitfahrgelegenheit.de kennengelernt hatte, nennen wir sie mal Lorian und Mandra (Namen leicht verfälscht). Irgendwie schien diesmal alles zu passen, von den Interessen bis zum Musikgeschmack. Aber auf einer (diesmal) sechstägigen Fahrt hat man ja genug Zeit, sich besser kennen zu lernen, als man es sich vorher gewünscht hätte. Wie auch immer.
Tag 1 : Luxemburg, Französische Wallachei
Nun ja, weit gekommen sind wir nicht am ersten Tag, da wir erst gegen acht Uhr abends die Mülheimischen Gefilde verlassen haben. Wie beim letzten Mal auch hat die erste Tankfüllung genau bis nach Luxemburg gereicht, wo wir für einen sensationellen Preis nachfüllen konnten. Übernachtet haben wir irgendwo in der französischen Walleichei. Bis hierhin alles kuschelig und friedlich.
Tag 2 : Dijon
An diesem Tag wurde es ein bisschen turbulenter. Allerdings erhitzten sich erstmal nicht die Gemüter, sondern das rechte Hinterrand qualmte unheimlich, nachdem es auf der Autobahn explodiert war. Wir haben den ADAC angerufen, und dann erstmal mal was gekocht.
Als der zuständige Mensch mit seinem Abschlepper endlich kam, gabs Sprachprobleme. Anfangs hatte der Mann noch ein freundliches “Bon soir” geflötet, wurde erwidert, und hier war es mit meinen Französich-Kenntnissen auch leider schon fast zuende. Es stellte sich schnell heraus, dass beide Parteien unterschiedliche Ziele verfolgten: Während es uns am liebsten gewesen wäre, wenn er den Reifen an Ort und Stelle gewechselt hätte, wollte er uns in seine Werkstatt schleppen und den Reifen am nächsten Tag wechseln. Die einzige inhaltliche Kommunikation lief über den Mittelsmann beim ADAC, der per Handy als Dolmetscher aushalf. Er wurde dann uns gegenüber ziemlich ungehalten, und wir ihm gegenüber auch. Ruck-Zuck wurde emotional gemauert mit beidseitigen tiefen Gräben aus Misstrauen (”Er will uns bestimmt nur teuer einen Reifen verkaufen”, dachten wir.Wer weiß schon, was er dachte.)
Auf der Fahrt zur Werkstatt fiel uns dann ein, dass es Sonntag war. Vielleicht hatten wir ihn gerade bei einem Familienessen gestört. Und eigentlich sah er ja auch ganz nett aus. Wir haben es dann nochmal neu versucht und sind freundlich und offen auf ihn zugegangen. Und Volltreffer! Er war der netteste Kerl den man sich vorstellen kann. Am Ende hat dieser Bär von einem Mann viel gelacht, mit seiner Werkstattkatze geschmust, uns ein Werkzeug zum Reifenwechseln
und ein neues Warndreieck geschenkt und uns schließlich noch zur nächsten Autobahnauffahrt eskortiert. Etwas entschuldigend meinte er öfters, es sei wegen der “lengua”, der Sprache. So waren unsere Probleme in Frankreich eben genau derart, wie man sie sich vorstellt. Nämlich dass die Franzosen es nicht mögen, wenn man ihre Sprache nicht versteht. Nun ja, auf meiner weitsichtigereren Agenda steht nun auf jeden Fall: Schulfranzösisch wiederbeleben.
Da es nun schon wieder Abend war, beschlossen wir, die Nacht im “Espace Autogéré des Tanneries” in Dijon zu verbringen (siehe auch den allerersten Blogeintrag). Aus der Winterperspektive machte das Tanneries einen ganz anderen Eindruck. Viele Leute hat es wohl in den Süden verschlagen, also hielt nur eine kleine Mannschaft von vier Leuten in den riesigen Hallen der alten Gerberei die Stellung. Nichtsdestrotz wurden wir sehr nett aufgenommen (übrigens hatten wir uns vorher per email angemeldet), Bruno bekam einen abgeschlossenen und wetterfesten Parkplatz unterm Dach in guter Gesellschaft mit vielen anderen Bullies, und für uns gabs Betten, ne Küche und Internet.
Tag 3 : Barcelona
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