Frau WeckmannAber ansonsten fühlen das Pfötli und ich uns hier vögilwohl!

Bald gibt’s nen ausführlicheren Text. Aber neue Reisefotos gibts schon einige. Schaut mal unter dem Link “one more trice”.

Vergesst nicht heute Nacht die Schuhe rauszustellen. Ich wünsche euch einen schönen Nikolaustag morgen!

…was haben diese beiden Begriffe gemeinsam?

Na? Schon eine Idee?

Genau, sie reihen sich in die überschaubare Liste der Wörter ein, die aus dem Deutschen “eingeenglischt” wurden. Schadenfreude als deutschsprachiges Exportprodukt… Würde mich mal interessieren, wie es dazu kam. Möglicherweise, weil sich Deutschsprechende immer so ausgiebig über den Schaden anderer freuen, dass sich das rumgesprochen hat. Wahrscheinlicher ist wohl, dass es umgekehrt war - für Dinge, die eine besonders große Rolle spielen, also in dem Fall englischer Humor, braucht man einen großen Facettenreichtum an Begriffen.

Ein Rätsel bleibt nur, warum ausgerechnet dieses Wort. Ich versuche mir einen Engländer vorzustellen, wie er “schadenfreude” ausspricht. Geht nicht. …

reproduce (national_stereotypes) {

Rufe ich vorhin eine Dame vom Amt an. Hatte eine Frage. Das Gespräch dauert 3 Minuten 43 Sekunden. Fragt mich die Dame: Warum lachen Sie? Ein überlegensintensiver Moment verstreicht . Ich ratlos. Weil ich ein freundlicher Mensch bin. Oder gerne lache. – Achso.

}

Kleines Nachtkonzert

Auf einem seltsamen Instrument, das einem Dudelsack ähnelt, spielt ein dunkelhäutiger zierlicher Mann. Warum spielt er da und was?
Es ist später Abend in Amsterdam, schon dunkel draußen. Der Mann spielt eine klagende Melodie, sehnsüchtig hallt der Klang seines Instrumentes in den Ohren der Umstehenden, scheint von einer besseren Zeit zu erzählen, in einer fernen Welt. Etwas ungewohnt nehmen sich diese sehnlich-klagenden Töne den mitteleuropäischen Ohren des Publikums an, ungewohnt ob der eigenartigen Laute, die der Fremde dem absonderlichen Instrument entlockt, ungewohnt auch ob der wunderlichen Melodie, die sich in jeder Minute selbst neu zu erfinden scheint -
- und jetzt schneller, immer schneller dahinbraust, über den Köpfen der Anwesenden hinweg in den Ohren nachhallt, kaum scheint der Spieler des irrwitzigen Instruments mit dem Atmen hinterherzukommen, ja, schon versagt ihm der Atem – er muss Luft holen.
Aber nur kurz, denn weiter geht das wilde Spiel, sich selbst überschlagend und überanstrengend, immer schriller und schriller, die Melodie disharmonischer, unterbrochen von hilflosen Atempausen krächzt das Instrument minutenlang. Die Zuhörer halten es kaum noch aus, den Ersten Schmerzen schon die Ohren, andere Lachen, die Schlafenden auf der Bank sind erwacht, schon lange stehen allen die Nackenhaare zu Berge. Ist das noch Teil der Vorstellung oder die verschrobene Öffentlichmachung der bloßen Übung eines Anfängers? Zweifel zeichnet sich in den Gesichtern ab, ob der Mensch überhaupt befähigt ist dieses Instrument zu spielen, während es weiterkreischt und weiterkreischt, die Dissonanzen und Geschwindigkeit ins schier Unendliche steigernd -

- da fasst sich sich eine vorbeikommende Frau ein Herz. Zieht ein Geldstück. Wirft es in die Mütze. Während auf dem Gesicht des Spielers ein Lächeln erstrahlt, gewinnt wieder eine Harmonie die Oberhand, der Spieler der Heldin mit dem Geldstück zugeneigt ein Ständchen darbietend.
Alle Umstehenden atmen erleichtert auf. Auch, weil jetzt endlich der Bus kommt.

Mittagsschlaf im Garten

Fuchs hält Mittagsschlaf im GartenDiesen Rotfuchs konnte ich von unserer Wildbeobachtungswarte (Badezimmerfenster) fotografieren.

Rotfüchse gehören übrigens zur Familie der Hunde. In ihrem Jagdverhalten gleichen sie aber Katzen: Sie schleichen sich an und überwältigen ihre Beute, meist kleine Nagetiere, mit einem Sprung. Na dann kann unsere Mollie ja weiter gemütlich auf der Couch ihr Schläfchen halten…

Um einen echten deutschen Kaffee zu kochen, vergessen Sie zunächst einmal Ihre hochgeschätzte nationale italienische Kaffeekultur. Sie befinden sich nun im Land des Bieres.

Im Unterschied zu Italien wird bei deutschem Kaffee weniger Wert auf Qualität und Aroma gelegt. Seine Rolle ist vielmehr funktioneller Art: Er dient der Verwandlung von schlappen und schwermütigen deutschen Schlafmützen in effiziente und produktive Bürger.

Bevor wir nun zur eigentlichen Handlungsanleitung kommen, muss ich Sie noch vorwarnen, auch gleich Ihre gewohnten Arbeitswerkzeuge zum Kaffeekochen – Mocca und Gasherd – auf das gedankliche Abstellgleis zu schieben. Einen echten deutschen Kaffee kocht man nur mit einer echten deutschen Kaffeemaschine.

Um diese zu benutzen, vergewissern Sie bitte sich zunächst, dass das Kabel in der Steckdose steckt. Entnehmen Sie die Glaskanne, füllen Sie diese nach Ihren Bedürfnissen mit Wasser, indem Sie sich um die richtige Menge einzufüllen an den Strichen orientieren. Versuchen Sie oberhalb der Kaffeemaschine schräg gegenüber vom Platz der Glaskanne eine Klappe zu finden. Hier ist das zuvor abgemessene Wasser einzufüllen. Schauen Sie lieber nicht so genau in das Innere des Behälters, denn deutsche Kaffeemaschinen sind schwer zu reinigen. Stellen Sie schließlich die Glaskanne wieder an ihren Platz in der Kaffeemaschine.

Haben Sie diese Prozedur abgeschlossen, sind wir soweit, mit dem Einfüllen des Kaffeepulvers beginnen zu können. Öffnen Sie dazu die Klappe über der Kanne. Ganz wichtig: Zuerst einen Kaffeefilter einlegen. Den finden Sie normalerweise in der Nähe des Kaffees im Schrank. Er sieht aus wie ein abgeschnittenes braunes Dreieck aus doppeltem braunen Papier. Legen Sie den Filter mit der Öffnung nach oben in das Behältnis. Geben Sie schließlich pro Tasse nicht mehr als einen gehäuften Teelöffel in den Filter – auch wenn das Ergebnis Ihren südländischen Geschmacksknospen vielleicht fad erscheinen mag, hat deutscher Kaffee den Vorteil, dass man ihn mit Ausdauer magenschonend während ausdauernder Arbeit trinken kann. Das ist für pünktliche Einhaltung von Terminen unerlässlich.

Stellen Sie nun die Kaffeemaschine auf „Ein“. Warten Sie, bis das Wasser vollständig durchgelaufen ist. Der fertige Kaffee wird warmgehalten, bis Sie die Kaffeemaschine ausschalten. Das hat einen enormen Vorteil: Falls Sie mal in ein produktives Loch fallen, brauchen Sie keine Zeit und Energie für erneutes Kaffeekochen zu verschwenden.

Ich hoffe, diese kurze Schilderung hat dazu beigetragen, mögliche Vorurteile gegenüber deutschem Kaffee abzubauen. Probieren Sie´s doch mal aus. Schon bald werden Sie die Vorteile deutschen Kaffees – kontinuierliche Leistungs- und Effizienzsteigerung – zu schätzen lernen.

Heute

…ist auf der ganzen Welt kein einziger Mensch 29 Jahre alt geworden.

führte der erste Ausflug in diesem Jahr mit Bruno in Die Stadt Die Es Nicht Gibt. Wen`s interessiert, kann sich bei Bio und Kurti, die auch mit von der Partie waren, informieren.

Das Böse hat einen Namen

Callcenter-Outbound. Dem nummernlosen Klingeln des Telefons haftet eine dunkle Vorahnung an, die noch verstärkt wird durch die kurze, unheilvolle Pause, die auf das argwöhnische “Ja bitte?” am hiesigen Ende der Leitung folgt. Sogleich bestätigt sich die Vermutung, man habe es im eigentlichen Sinne gar nicht mit einer Person zu tun, sondern mit dem exogenen Teil einer Mensch-Maschinerie, als eine aalglatte männliche Stimme zu sprechen beginnt: “Schönen guten Tag, mein Name ist Ebeling von der Firma Debiltel, spreche ich mit der Vertragspartnerin Lieschen Müller?”

Schon spürt man die Schlinge über dem Kopfe schweben. Jetzt ist es Zeit, aus dem Bündel der Abwehrstrategien abgestimmt auf die Tagesform die Richtige auszuwählen. Hier eine Auswahl der typischsten und einer, mit der man das Böse mit seinen eigenen Waffen schlagen kann:

  • Unbedingte Flucht durch die Bresche: Blitzartiges Auflegen.
  • Chamäleon-Identität:“Nein, ich bin nicht Frau Müller, die ist auf unbestimmte Zeit nach Sibirien verreist.”
  • Offener Nahkampf:“Ja, hier ist Frau Müller, rufen Sie mich in Zukunft nicht mehr an, kontaktieren Sie mich per Post!” Gute Kombinierbarkeit mit der Unbedingten Flucht durch die Bresche.
  • Kooperatives Mimikry: Nehmen Sie sich Zeit, dem Bösen in seine kleinen, rotunterlaufenen Äuglein zu schauen. Fordern Sie die Stimme auf, Ihnen von den tollen Angeboten zu berichten. Sie werden buchstäblich hören, wie ihr das Wasser im Munde zusammenläuft angesichts der vermeintlich fetten, vertragsabschlussbereiten Beute. Im letzten Moment nutzen Sie das Vertrauen des Feindes aus und schlagen Sie zu mit einem “Mein-jetziger-Preis-ist-günstiger-Argument”.
  • Bei der Firma Debiltel und anderen Telekommunikationsunternehmen handelt es sich nur um die gemeinläufig bekanntesten Vertreter der überaus anpassungsfähigen Art Callcenter-Outbound.
    Weniger bekannte Vertreter dieser Spezie lauern typischerweise im Untergrund der Legalität auf unbedarfte Opfer.
    Headhunting-Firmen tarnen sich beispielsweise als Angestellte der bekannten Suchmaschine Schnoogle und entlocken mit vermeintlichen Gewinn-Gutscheinen Namen von Filialleitern, die sie später versuchen abzuwerben. Eine weitere Spielart verkauft telefonisch Lotto-Scheine, die niemals eingelöst werden. Bezeichnend ist der hohe Stundenlohn, der nötig ist, um das Gewissen der Agents zu kaufen. Ein erfolgreiche neue Spezie hat diesen evolutionären Nachteil bereits überwunden und verwendet Bänder, die Gewinne versprechen und auf teure 0190-Nummern verweisen. Ständig entstehen neue Mutationen im unüberschaubaren, mit Wölfen und Schafen und Wölfen in Schafspelzen bevölkerten Wirtschaftssystem. Also auf alles gefasst sein, wenn nächstes Mal nummerlos das Telefon klingelt…

    Riesige gefährliche Pfützen behindern die Weiterfahrt auf der Stadtautobahn von Los Angeles.So titelte Spiegel online. Kalifornien / USA - “Monatelange ungewöhnlich heftige Regenfälle” setzen diesmal das Land unter Wasser, bei dem weite Teile der Weltgemeinschaft angesichts der aktuellen Überschwemmungen mit dem Gedanken an das nicht unterzeichnete Kyoto-Protokoll tendenziell weniger Mitleid, sondern vielmehr Schadenfreude empfinden dürften, und dazu geneigt sein möchten, Vergleiche zur biblischen Urflut heranzuziehen.

    (…) damals, als alles Fleisch, die Tiere nicht ausgenommen, seinen Weg in unbeschreiblicher Weise verderbt hatte, ja selbst die Erde Hurerei trieb und Schwindelhafer hervorbrachte, wenn man Weizen säte, - und dies alles trotz der Warnungen Noahs, so dass der Herr und Schöpfer, der sogar seine Engel in diese Greuel verwickelt sehen musste, es schließlich, nach einer letzten Geduldsfrist von hundertzwanzig Jahren, nicht länger verantworten und ertragen konnte und zu seinem Schmerz das Schwemmgericht hatte walten lassen müssen. (Thomas Mann: Joseph und seine Brüder)

    Santa Claus Santa Lucia

    Santa Lucia bringt am 13. Dezember den Kindern Geschenke.Weihnachten in Italien - In Italien bringt weder Santa Claus noch das Christkind die Geschenke, sondern Santa Lucia. Die Kinder schreiben Briefe Santa Lucia Briefe mit ihren Wuenschen. Hier in Palosco, einem kleinen norditalienischen Doerfchen, holt Santa Lucia naechsten Sonntag die Briefe ab. Sie kommt dazu in Begleitung ihres Eselchens, die Kinder werfen die Briefe in den Karren und Santa Lucia verteilt Suessigkeiten. In der Nacht vom 12. zum 13. Dezember macht sie ihre Runde durch das Dorf, um die Geschenke zu verteilen. Wenn sie an die Tuer schellt, muessen die Kleinen ins Bett gehen. Aber Vorsicht Kinder, spioniert ihr bloss nicht nach! Sie wirft euch eine Handvoll Asche in die Augen, und dann erlischt euer Augenlicht, genau wie ihres.

    Santa Lucia mit Augen auf einem Tablett. Ihre Sehorgane traegt sie meist auf einem Tablett mit sich herum. Boese Menschen haben ihr die Augen ausgestochen, als sie versuchte, Gutes zu tun.

    Mir jagt die Gestalt von Santa Lucia einen wohligen Schauer ueber den Ruecken, der gekoppelt ist mit einem unterdrueckten Lachreiz bei dem Gedanken, wie Santa Lucia kleinen Kindern nachstellt, um ihnen Asche in die Augen zu werfen und ihnen ihre ausgestochenen Augaepfel vor die Nase zu halten. Es ist doch schon bemerkenswert, dass sich Santa Lucia in den (post-)christlichen Heerscharen von Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind auf Rang 1 der Geschenkebringer durchringen konne. Um sich in der harten maennlichen Konkurrenz durchzusetzen, reicht es bei einer heiligen Frau anscheinend nicht aus, einfach nur nett zu sein. Da muss sie schon andere Geschuetze auffahren. Es ist ja auch nur recht und billig, dass die Kinder schon frueh von der rauen Realitaet etwas mitkriegen, anstatt von zahmen Figuren wie Weihnachtsmann und Christkind verweichlicht zu werden.

    Neue Pferde in der alten Reithalle

    Araberhengst MoccaIn der alten Reithalle vom AZ Mülheim gab es letzte Woche ein Pferdespektakel der besonderen Art zu belachen und beklatschen - Mendy, das Wusical von Helge Schneider.

    Es geht um Liebe und Familienleben, um menschliche Sehnsüchte und Abgründe, um Moral und Gewalt. Aus diesem Stoff hat Helge Schneider eine skurrile Verflechtung von Seifenoper, Komödie, Tragödie und Porno bei jazziger Live-Musik Untermalung mit Splatter-Elementen geschaffen. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Die große Liebe der pubertären Wendy ist Mokka, ihr Araberhengst. Zu ihrem Leidwesen stellt sich die strenge und vom Leben frustrierte Mutter “Lady Mamma” mit ihren Erziehungsversuchen zwischen das Glück der beiden. Mokka wiederum leidet an einer Identitätskrise, da er von seinesgleichen auf der Pferdeweide nicht anerkannt, sondern massiv gemobbt wird. Wendys Vater sitzt nach einem Reitunfall im Rollstuhl, sein einziger Lebensinhalt ist sein weißer Porsche, Baujahr `85. Damit er sich einen Satz neuer Reifen leisten kann, verkauft er Mokka an den Schlachter. In letzter Minute kauft Wendy das Leben des geliebten Mokka mit ihrem eigenen Leben frei. Während Wendy mit den anderen Tieren im Schlachthaus auf den Schlachttermin wartet, plagen den Vater Gewissensbisse. Das Spektakel nähert sich dem Showdown.

    Das Wusical überzeugt nicht nur durch Helge Schneiders Limbo-Humor in der Szenerie eines Reiterhof- und Familiendramas sowie kuriose bis abstossend böse Charaktere. Es ist auch eine bissige Gesellschaftskritik. Eine herzlose Lady Mamma zum Beispiel, die ihre Tochter Wendy unerbittlich dazu zwingt ihr Zimmer aufzuräumen (”Du machst es jetzt! Du machst es jetzt! DU MACHST ES JETZT!!!”), obwohl Wendy es dann heute nicht mehr in den Reitstall schafft, hat auch keine Gewissensbisse, sie an den Schlachter zu verkaufen.

    Vor ein paar Jahren hat die die Urinszenierung dem Bochumer Schauspielhaus ausverkaufte Säle und ein begeistertes Publikum bereitet. Aber die Aufführung im AZ stand dem Original in keinster Weise nach, sondern hat noch besser gefallen durch den Charme und die Originaltät der (Laien?-)Schauspieler als auch der begleitenden mit Reitkappen ausstaffierten 2-Mann Begleitband, und schließlich die zahlreichen HelferInnen in Blaumännern, die in hektisch und chaotisch anmutender Betriebsamkeit die Dynamik des Stücks durch atemberaubende Umbaupausen noch unterstrichen haben.

    Neuerdings können sich alle, die das Spektakel verpasst haben, durch den mit Wusical-Melodien unterlegten Photoroman im Comic-Style einen Eindruck verschaffen, und alle, die`s gesehen haben, in Erinnerungen schwelgen.
    Wer den Photoroman erleben oder mehr wissen will, wird auf der Homepage fündig: http://www.wusical.de

    Es leben die Netzwerke!

    Nein, nicht welche ihr jetzt denkt, ich meine die sozialen ;-)

    Dass es Unterschiede zwischen den Kulturen gibt, weiss ja jeder. Schlaue Menschen haben sich mal überlegt, worin denn diese Unterschiede bestehen könnten: Zum Beispiel gibt es Unterschiede, wie sich sich Menschen die Zeit vorstellen. Für unsere (deutsche) Kultur verläuft die Zeit eher linear (monochron). Die Dinge werden nacheinander getan, was es einem erlaubt, alles ordentlich zu planen. Andere Kulturen (viele südländische, wie zum Beispiel Spanien) nehmen es mit der Zeit weniger genau; nach diesem Zeitverständnis können auch mal viele Dinge zur gleichen Zeit geschehen (polychron). Deshalb wird eine minutiöse Planung als sinnlos angesehen und die Dinge sind somit weniger organisiert.

    Das kann einem ordentlichen und pünktlichen Deutschen schon mal chaotisch vorkommen. Warum nun bekommen auch polychrone Kulturen letztendlich ihre Sachen geregelt?

    Ganz einfach… hier kommen die sozialen Netzwerke ins Spiel, die in diesen Kulturen einen viel grösseren Stellenwert einnehmen. Taucht ein unvorhergesehenes Problem auf, bittet man einfach einen Freund / Kollegen / Bekannten um Hilfe, der im Zweifelsfall wieder auf seine Freunde / Kollegen / Bekannten zurückgreifen kann. = funktionsfähiges soziales Netzwerk = alles wird gut.

    Warum ich euch das jetzt hier auf die Nase binde? Nun, weil ich in letzter Zeit viele Dinge gleichzeitig erledigen musste, habe ich mal bewusst völlig auf deutsche gründliche Organisation verzichtet und mich stattdessen auf meine sozialen Netzwerke in Granada verlassen. Statt mir für meinen derzeitigen Granada-Aufenthalt eine Wohnung zu organisieren, bin ich einfach rübergeflogen und habe dann abends spontan telefonisch bei meinen Bekannten angefragt, ob sie ein Schlafplätzchen für mich haben. Das Ende vom Lied: hat super geklappt, schon nach kurzer Zeit hat mir ein lieber Mensch seine neue noch leerstehende Wohnug mit Schlüssel angeboten, und als dieser Schlüssel sich als nicht passend herausstellte, kam ich bei einem seiner Freunde unter.

    Ergo: Die entstandene Unsicherheit, nicht zu wissen, wo ich schlafen kann, war schon irgendwie bedrohlich und hatte so ein bisschen das Gefühl vom “freien Fall”. Aber alles super, denn die Landung war schön und weich. Es leben die Netzwerke.

    Italien/Lombardia. In ausgelassener Stimmung warteten viele Menschen geduldig in der Schlange, um die Petition “Saeubert das Parlament” zu unterschreiben, der zufolge sich (zumindest) alle verurteilten(!) Kriminellen aus dem italienischen Parlament verabschieden sollen.

    Auch die Initiative fuer freies Internet in Bergamo fand grossen Anklang. Die “Amici di Beppe Grillo di Bergamo e Provincia” (Freunde von Beppe Grillo in Bergamo und Provinz) wollen, dass Information fuer alle frei verfuegbar ist wie Trinkwasser. Klingt nach einer Utopie? -Ist es aber nicht. Die Infrastruktur fuer ein solches Projekt ist in Bergamo zu grossen Teilen schon vorhanden. Es fehlen nur noch geringe Investitionen und ein bisschen guter Wille seitens der Politik. Eine Idee, die Schule machen sollte.
    Von wegen Politikverdrossenheit. Die Aktion von Beppe Grillo fand jede Menge Anklang auch im Staedchen Bergamo.

    Italien. Diesen Samstag, den 8. September, ist Vaffanculo Day, ein von dem bekannten (Polit-)Komiker Beppe Grillo initiierter Aktionstag in allen grossen Staedten, um mit politischen Landschaft Italiens aufzuraeumen. Ziel ist ein Gesetz, das es Verurteilten verbietet, (erneut) zu kandidieren. Denn ein guter Teil unter den Parlamentariern Italiens ist verurteilt oder hat ein Verfahren am Hals, meist wegen Delikten wie Korruption und illegaler Finanzierung, aber auch Beihilfe zum Mord und Verbindungen zur Mafia.

    Dass die Gesetze ausgerechnet von denjenigen, die sie machen, missachtet werden, macht viele Menschen in Italien sehr wuetend. Tatsaechlich ist es aber hauptsaechlich die “Generation Internet”, die davon ueberhaupt etwas mitkriegt. Denn Fernsehen und Radio stehen unter Kontrolle des Medienimperiums von Silvio Berlusconi, Zeitungen liest in Vergleich mit Deutschland hier kaum jemand.

    Ausfuerlichere Informationen ueber den Vaffanculo Day:
    www.nachrichten.ch/kolumne/282070.htm

    Essay ueber den Missbrauch von Macht und Medien durch Berlusconi

    Blog von Beppe Grillo: www.beppegrillo.it/

    …und x-mal beim Autofahren mit der Hupe beschimpft worden. Benvenuti Italia.

    Carcassonne

    Adios Spanien. Bienvenue Frankreich…
    Da es auf unserem Weg lag konnte wir es nicht unterlassen auf der Burgmauer der mittelalterlichen Burg Carcassonnes ein Spielchen des gleichen Namens zu wagen.

    Meldung der Woche

    Galicia- Zwei jugendliche Camper blieben am Wochenende in einem der einsamsten Gebiete in Estaca de Bares auf der Suche nach einem Parkplatz im Sand stecken. Der Versuch, sich durch aufschütten von gesammelten Steinchen, dem Legen eines Teppiches sowie Entladen des Campers aus dieser misslichen Lage zu befreien halfen nicht. Zum Glück wurden sie am nächsten Morgen von einem Jeepfahrer gerettet.

    Nun ja, sie schnueffelt und guckt.

    Was zunaechst nach einem netten Urlaubsflirt aussieht, taeuscht… denn in Wahrheit geht es mal wieder nur um eines: die Welt… aehhh, Stoeckchenherrschaft.


    Postcard from Spain

    …that is what we did yesterday. x be-a-trice
    barbecue at the beach (near nerja)

    In der öffentlichen Bibliothek von Granada werden regelmäßig Filme in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt, das ganze in einem waschechten Kinosaal und gratis.

    Biblioteca de GranadaDas Programm findet ihr unter http://www.filmotecadeandalucia.com/

    Adresse: Calle Profesor Sainz Cantero, nº 6, 18002 GRANADA (in der Nähe von Placa Gracia)

    In der Diskothek Granada 10 kann man sich abends in prunkvollen aber netten Ambiente einen Film anschauen, während man sich auf goldenen Sofas lümmelt.
    Adresse: Calle Cárcel Baja
    (zwischen Calle Elvira und Gran Vía)

    Eintritt normalerweise 4 €, mittwochs 3 €

    Gesehen in Granada, mit den Augen einer in Deutschland sozialisierten Person.

  • Pünktlichkeit von Bussen: Es gibt keine festen Zeitpläne. Der Bus kommt zum Beispiel alle 10 Minuten. Das hat mein Stresslevel in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr um mindestens 90% gesenkt.
  • Mahngebühren: In den Uni-Bibliotheken in Granada werden Nachzügler mit Sperrtagen bestraft. Nach dem Motto “Auge um Auge…” kann man fünf Tage nichts mehr ausleihen, wenn man vorher die Leihfrist vorher fünf Tage überschritten hat. In diesen Worten würde ich das deutsche Adäquat auch mit “Auge um Auge+ein bis alle Zähne” betiteln - je nach fälligem Betrag.
  • Ablehnung von Anglizismen in Filmtiteln: Fast alles wird übersetzt. So wird aus From Dusk till Dawn “Abierto hasta el amanecer”, aus Spaceball “La loca historia de las galaxias”. Was nicht übersetzt wird, bekommt durch die Ausprache den spanischen Stempel aufgedrückt. So klingt auch der familärste Ausdruck in den Ohren eines unerfahrenen Spanienreisenden wie ein nie gehörtes Fremdwort. Beispiel: Spiderman, Ausprache in Deutschland (und sonstwo) “Speidermän”, in Spanien “eh-spidermann”.
  • Anzeigenmarkt: Anzeigen werden kostenfrei und dezentral aufgegeben: Etwa am nächsten Laternenpfahl. Übliche Rubriken sind Wohngs- und Schwarzarbeitsmarkt, darüberhinaus findet man aber auch Unterrichtsangebote, Second-hand Fahrräder, Welpen, Kontaktanzeigen, und nicht zu vergessen Poster für Veranstaltungs-Werbung. Gutaussehnde Exemplare letzterer Gattung bleiben aber nicht lange unter ihresgleichen auf der Straße, denn schnell finden sich stolze neue Besitzer.
  • Mensa-Essen: Jeden zweiten Tag gibt es dazu umsonst ein Glas Bier, an allen anderen Tagen ein Glas Wein.
  • Advertisement

    Be a stubborn optimist.

    Vorhin rief mich meine Oma an. Aus Spanien, denn sie macht hier Urlaub. So erwartete ich ob der spanischen Nummer, die mein Handy mir anzeigte, eine spanisch-sprechende Person am anderen Ende. Dass es Oma war, brachte mich also ein bisschen aus der Fassung. So antwortete ich verdutzt: “Oma, eres tú? He pensado que me esta llamando otra persona…”

    Ergo: Fremdsprachen zu sprechen ist toll. Darüberhinaus ist es aber nützlich, zur richtigen Zeit die richtige Sprache zu sprechen.

    Und: Immerimmernoch plane ich, mein Fremdsprachenkontingent auf Italienisch zu erweitern - ich weiß jetzt schon das wird lustig.

    Schöner leben auf Reisen

    Diesmal Richtung Portugal. Schaut euch hier die Route an und lest die Kommentare zu den einzelnen Stationen. Außderdem findet ihr wie immer auf FlickR einige Bilder.

    Gulasch und Polente..in Deutschland ist das Gulasch von gestern Nacht gelungen - lecker lecker lecker :-)

    Giulia hat die italienische Polenta dazu beigesteuert. Die Gemeinschaft war begeistert.
    Francesco, Giulia, Viola, Shannon, Dani, Bea, Ari, Josi, Giulia, Donata, José, -Tine

    Herrenunterwäsche

    Italians do it better

    …die überzeugt. ;-)

    Heiß

    …ist das Wasser, das inmitten weitläufiger Olivenbaumfelder erst drei Becken füllt und dann ein Flüsslein hinunterströmt, einen dunstigen Schleier über die Landschaft legend, der sich langsam verliert. Verloren ist auch die Zeit, die Fremdheit, die Gedanken, und schließlich das Selbst, wenn man in den dampfenden Wassern kocht. Schöne Wiedergeburt wenn man sich dann findet im Mond, in den Sternen und in der Weite der Natur.

    Macht euch ein Bild:

    Im WasserHeiße Quelle bei Santa FeeDer Bruno war auch dabei...Sonne und Weite

    Carneval de Cadiz

    Dieses Ereignis verdient das Prädikat “Besonders erwähnenswert“, und daher schloddere ich euch hiermit noch ein paar Worte dazu hin, wenig zeitnah, aber dafür im Telegrammstil.

    Mein Geburtstag = Karnevalssamstag stop Nach Wohnzimmer-Rave bei Agüi morgens um 8 den Bus nach Cadiz bestiegen stop Gruppe = Francesco, Dani, Giulia, Ari, Fabio (Italien); Shannon (Kalifornien); Rouven (Spanien); ich stop Mittags in Cadiz angekommen und erstmal ein Bad im Atlantik genommen stop Verkleiden und Eroberung der Innenstadt stop Die Botellón konnte beginnen stop Die ganze Nacht gesoffen, gesungen und getanzt zu Trommelklängen stop Zwischendurch zu einer der bestialisch stinkenden Abort-Nebenstraßen durchgekämpft stop Eine ganze Flasche Bacardi und später noch eine Flasche Rum auf der Straße gefunden stop Irgendwann an einem besonders gemütlichen Platz eine halbe Stunde geschlafen stop Nach Sonnenaufgang am Strand in eben dieselbe gelegt um zu schlafen stop Nach 20 Minuten aufgesprungen und vor dem eiskalten Wind mit Ari in ein Frühstückslokal geflüchtet stop Zwei Stunden gefrühstückt stop An der Strandpromenade Sonnenbrille gekauft und die anderen wiedergetroffen stop Die verkleideten Chöre des bürgerlichen Karneval bewundert stop Am späten Sonntagnachmittag den Bus Richtung Granada bestiegen stop Mehr als übergroße Erleichterung dass es nicht geregnet hat stop + ende

    Gerade bin ich auf den Webauftritt von Johnny Cash gestoßen. Großartig, berührend, abendfüllend. Schaut und hört ihn euch an und dreht an den Knöpfchen.